Christian Böttcher im Interview: "Wir sind eine besondere Truppe"

Christian, bitte beende folgenden Satz: Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir alle 15 Hinrundenspiele gewinnen, dann...

... hätte ich das natürlich sofort unterschrieben! 15 Siege aus 15 Spielen - ich kenne keine Mannschaft, der das schon einmal gelungen ist. Wir wussten schon, dass wir in diesem Jahr eine besondere Truppe sind, dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben und wir - wenn sich keiner verletzt - auch oben mitspielen werden. Aber dass es natürlich so gut läuft, hätte ich auch nicht gedacht. Aber jetzt ist es natürlich umso besser: Wir haben elf Punkte Vorsprung, das lässt sich zu Weihnachten schon ganz gut anschauen.

Wie erklärst du dir diese Dominanz der Mannschaft?

Dominanz kann man ja auch nicht so richtig sagen. Klar haben wir zwar alle Spiele gewonnen, aber wir waren ja nicht in allen Spielen so überlegen, dass wir sie ganz klar für uns entscheiden. Wir hatten ab und zu auch ein bisschen Glück, waren in einigen Spielen sehr effizient vor dem Tor. Es war also nicht immer die große Dominanz. Wie schon gesagt: Wir sind eine besondere Truppe, kennen uns alle schon lange, machen auch in der Freizeit viel zusammen. Viele Spieler sind schon lange Fußballer, haben die nötige Erfahrung und wissen genau, wie der Hase im Amateurfußball läuft. Das kommt uns zu Gute, so konnten wir die neuen Spieler schnell integrieren.

Was zeichnet die Mannschaft besonders aus?

Wir haben einen unglaublich guten Teamgeist, sind alle auf und neben dem Platz Freunde. Das ist sehr wichtig. Wir kämpfen alle für einen und einer für alle. Daran haben wir in dieser Saison auch noch einmal gearbeitet. Der Teamspirit ist einfach gut. Außerdem haben wir nochmal Qualität dazu bekommen, auch in der Kaderbreite. Und die Mannschaft zeichnet aus, dass ihr Kern schon jahrelang zusammenspielt. Das merkt man gerade in der Defensive, jeder kennt das System im Schlaf, weiß genau, was er in bestimmten Situationen zu tun hat.

Gab es Spiele, an die du dich besonders gern erinnerst?

Die gab es auf jeden Fall. Dass wir Häsen 5:0 geschlagen haben, war schon sehr gut. Das hätte ich so deutlich nicht erwartet. Aber am emotionalsten war sicher das Spiel gegen Hennigsdorf II. Das war eine unglaublich gute Mannschaft in der ersten Halbzeit. Wir lagen 1:2 zurück zur Pause. Es war überhaupt das erste Mal in der Saison, dass wir zurückgelegen haben. Und wir drehen das Spiel zum 3:2-Sieg. Das war unglaublich, Emotionen pur. Daran erinnert man sich gerne zurück. Und die Partie gegen Glienicke war auch ein geiles Spiel. Die kennen Storkow gar nicht, sind alles bezahlte Spieler aus höheren Ligen - die kommen hierher und bekommen die Hucke voll. Da ist man dann natürlich richtig stolz!

Kann es nach dieser perfekten Runde eigentlich ein anderes Ziel als den Aufstieg geben?

Als Ziel sollte man sich jetzt natürlich schon den Aufstieg stecken. Alles andere nimmt einem nach so einer Runde ja sowieso keiner mehr ab. Aber: Wir spielen alle jahrelang Fußball und wissen, wie schwer es ist, so etwas zu schaffen. Wir haben in der Rückrunde noch 15 schwere Spiele vor uns. Und im Fußball kann einfach so viel passieren, dass es das noch nicht gewesen ist. Wir haben einen guten Grundstein gelegt, aber die Liga ist so gut, da kann jeder jeden schlagen. Wir müssen definitiv den Fokus und unsere Spannung behalten, dürfen nicht nachgeben und immer wieder 120 Prozent geben auf dem Platz.

Gibt es trotz der makellosen Bilanz noch Punkte, in denen sich die Mannschaft steigern kann?

Das kann man immer, gerade im Amateurfußball. Unser Manko war oft, dass wir nicht variabel genug waren. Daran haben wir in dieser Saison gearbeitet. Wir wollten variabler in der Spieleröffnung werden - aber da könnten wir noch zulegen. Wir müssen manche Situationen noch besser ausspielen. Aber ansonsten bin ich natürlich recht zufrieden - das muss nach 15 Siegen aber auch so sein.

Welche Teams sind für dich die direkten Konkurrenten im Meisterschaftsrennen?

Das ist für mich auf jeden Fall Hennigsdorf II. Auch Häsen darf man nicht abschreiben, die haben eine Menge Qualität in der Mannschaft. Dann muss man schauen, was Glienicke macht. Sie sind schon mit einer halben Ü60 aufgelaufen, im letzten Hinrundenspiel waren auf einmal alle wieder da. Wenn sie die Mannschaft halten können, muss man mit ihnen rechnen, dann bleiben sie auch dran.

Philipp Schramm hat sogar noch vor der Winterpause die 30 Tore voll gemacht. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?

Ich kenne keinen anderen Spieler, der soviel Ehrgeiz, soviele Emotionen und soviel Zeit für den Fußball ans Bein bindet. Ich kenne Schrammi schon sehr, sehr lange. Wir haben im kompletten Nachwuchsbereich zusammengespielt, er ist einer meiner besten Freunde auf und neben dem Platz. Er ist der Lenker und Denker in unserem Spiel, ein ganz wichtiger Baustein. Dass er in diesem Jahr voll da ist, sieht man auch an seinen Toren. Zwar hatte er am Ende auch wieder eine kleine Verletzung, aber er hat trotzdem gespielt, weil er es unbedingt wollte. Er will unbedingt mit Storkow dieses Ziel erreichen, dafür tut er alles. Aber man muss im gleichen Atemzug sagen, dass Philipp auch sehr von unserer guten Defensive profitiert. Unsere drei Sechser halten ihm den Rücken frei, sodass er sich auf seine Offensivaufgaben konzentrieren kann. Die 30 Tore kommen nicht von ungefähr, die hat er sich erarbeitet.

Wie sehr ärgert dich das Pokal-Aus im Nachhinein noch? Oder war es vielleicht sogar ein Weckruf zur richtigen Zeit?

Dass wir in Häsen ausgeschieden sind, ärgert mich eigentlich nicht mehr. Ich gewinne lieber in der Liga alles und fliege im Pokal raus. Wir hatten an diesem Tag einen starken Gegner, Häsen ist ja auch keine Gurkentruppe. Was mich ärgert, ist eher die Art und Weise des Ausscheidens: Wenn wir unsere Chancen nutzen, gewinnen wir das Spiel in 90 Minuten 3:0. Und vielleicht war es auch an der richtigen Stelle ein Alarmsignal, um zu sehen, dass es nicht von alleine läuft. Dass wir jetzt im nächsten Jahr mal ein, zwei freie Wochenenden haben, ist für die Jungs aber sicher auch ganz gut.

Letzte Frage: Worauf wird es in der Rückrunde ankommen, wenn ihr weiter erfolgreich sein wird?

Wir müssen wissen, dass der Erfolg nicht von allein kommt, dass wir etwas dafür tun müssen. In der Vorbereitung und im Training müssen wir Gas geben. Wir müssen die Spannung hochhalten. Es geht nicht von alleine. Wir müssen dafür hart arbeiten. Dann bringen wir als gesamte Mannschaft so viel Qualität mit, dass wir sicher auch in der Rückrunde viele Spiele gewinnen können. Und uns so vielleicht unseren ganz großen Traum erfüllen können. Da hätte ich schon Bock drauf!

517efb333