Aus und vorbei?

Liebe Freunde des Amateurfußballs,

mein Name ist Steffen Brabetz. Seit 2009 bin ich Mitglied bei der SG Storkow, einem kleinen Dorfverein in der Nähe von Templin. Unsere Mannschaften spielen aktuell im Fußballkreis Oberhavel/Barnim, die Männer in der 2. Kreisklasse und in der Kreisliga, die D-Junioren in der Kreisklasse. Von Anfang an habe ich versucht, den kleinen und großen Freizeit-Fußballern mit Spielberichten, Fotos und Videos mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.

Seit 2012 betreibe ich einen YouTube-Kanal mit inzwischen über 500 Videos. Ich habe mich immer bemüht, fair und objektiv über die Spiele unserer Teams zu berichten. Von vielen anderen Vereinen wurde das auch sehr positiv aufgenommen. Oft habe ich auf Nachfrage die kompletten Spiele auch den gegnerischen Vereinen auf DVD zur Verfügung gestellt.

Bislang war eine derartige Berichterstattung von Fußballspielen durch Regelungen im Kunst-Urheber-Gesetz auch möglich. Das oft erwähnte Recht am eigenen Bild ist auch in meinen Augen ein wichtiges Recht einer jeden Privatperson. Durch die Teilnahme an einem offiziellen Fußballspiel tritt jeder Spieler aber nicht als Privatperson auf, sondern als Teil einer Mannschaft im öffentlichen Ligabetrieb, die in der regionalen Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden will.

Am 25. Mai 2018 tritt die neue europäische Datenschutzgrundverordnung endgültig in Kraft. Darüber wurde und wird viel diskutiert, ohne dass jemand weiß, was genau im Detail zu beachten ist. In meinen Augen ist das Gesetz gut gemeint, aber schlecht gemacht. Zu viele Dinge wurden einfach nicht zu Ende gedacht.

Aber was bedeutet das nun für mich? Nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen Fußballverrückte, die sich in den unterklassigen Ligen mit Berichten, Fotos und Videos engagieren? Niemand von den vielen "Vereinsreportern" verdient mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch nur einen Cent. Es ist unser Hobby. Aus Liebe zum Fußball. Und aus Liebe zum Verein.

Aus meiner Sicht hat es der deutsche Staat versäumt, sich rechtzeitig mit dieser Problematik zu beschäftigen. Die neue europäische Datenschutzgrundverordnung hebelt das bisherige nationale Recht aus. Auch Fotos gelten nun als personenbezogene Daten. Von jeder auf einem Foto oder im Video erkennbaren Person muss eine nachweisbare Erlaubnis zur Veröffentlichung vorliegen.

Für zwei Mannschaften mag das ja noch funktionieren, aber für jeden einzelnen Zuschauer? Dazu kommt, dass man eine erteilte Erlaubnis auch Jahre später noch widerrufen kann. Das ist in der Praxis für uns Freizeit-Journalisten einfach nicht zu realisieren.

Natürlich könnte ich einfach weitermachen wie bisher. Aber ich möchte nicht am Wochenende meine Videokamera aufstellen und Angst haben, am Montag ein Anwaltsschreiben im Briefkasten zu finden. Hier möchte ich Probleme von meiner Familie, meiner eigenen Person und auch von meinem Verein fernhalten.

Leider fühle ich mich an dieser Stelle im Stich gelassen: vom Fußballkreis, vom brandenburgischen Landesverband und auch vom DFB. Letztendlich fühle ich mich auch im Stich gelassen von unseren Politikern, die mit der Regierungsbildung wohl mehr beschäftigt waren als mit den Problemen des Landes.

Wo bleibt die viel gepriesene Unterstützung für das Ehrenamt?
Wo bleiben die Stellungsnahmen der Fußball-Funktionäre auf allen Ebenen?
Wo bleiben eigentlich die Proteste der Vereine?

Aus meiner Sicht sind wir dabei, die Berichterstattung in den unteren Amateurligen durch die vielen Amateur-Journalisten in ein juristisches Minenfeld zu verwandeln. Das muss verhindert werden. Alle Vereinsreporter stecken viel Zeit und Herzblut in ihre Arbeit. Alle Vereinsreporter laufen aber Gefahr, ab jetzt kriminell zu sein.

Vorerst werde ich daher den YouTube-Kanal der SG Storkow auf Stand-By schalten. Vorerst wird es keine neuen Videos geben. Ich hoffe, dass es im Fußball-Land Deutschland nicht ewig dauern wird, bis es für alle Beteiligten klare und eindeutige Regeln gibt.

Ich als Kreisliga-Fan kann allein aber wenig bewirken. Daher rufe ich alle Vereine auf, auf die Kreis- und Landesverbände und auch auf den DFB Druck auszuüben. Gerne würde ich mein Hobby weiter ausüben, gerne würde ich dem Kreisliga-Fußball in unserer Region weiter eine Öffentlichkeit bieten. Diese Entscheidung tut mir im Herzen weh. Aktuell sehe ich dazu leider nur wenig Alternativen.

Ich würde mir wünschen, dass auch die regionale Presse diesem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken würde. Nur eine breite Öffentlichkeit kann hier etwas bewirken. Es wäre einfach nur schön, wenn die Berichterstattung im Amateurfußball nicht juristischen Spitzfindigkeiten zum Opfer fallen würde.

Was bleibt? Nur viel Traurigkeit und Wut über die aktuelle Situation. Ich bin der geborene Pessimist, bleibe aber trotzdem optimistisch. Kämpft für den echten Fußball der Amateure. Es ist euer Sport. Es sind eure Vereine.

Danke.

Steffen Brabetz,
Mitglied der SG Storkow

Die Erklärung im Video

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